ENTSCHULDIGUNG

Liebe Feminist*innen,
liebe Teilnehmer*innen an der Frauen*kampftags-Demo vom 8.März 2020 in Berlin,

vielleicht habt ihr es miterlebt oder von anderen gehört. Unsere Demonstration wurde von Personen gestört, die sich mit Plakaten und Schildern für ein ‚Sexkaufverbot‘ oder für die Abschaffung von Prostitution und mit transphoben Inhalten über unseren Demokonsens hinweggesetzt haben. Wir waren und sind darüber sehr verärgert. Wir haben sehr frühzeitig unseren aktuellen Demokonsens veröffentlicht, in dem wir uns deutlich gegen Transfeindlichkeit positionieren und unsere Solidarität mit den Kämpfen von Sexarbeiter*innen um ihre Rechte erklären. Ein ‚Sexkaufverbot‘ ist hiermit nicht in Einklang zu bringen.

In unserem Demokonsens steht:

„3. Widersprüchliche Positionen haben jeweils ihren Raum auf der Demonstration. Grenzen findet diese Pluralität in jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (siehe I.1).“

Das Präsentieren von trans*- und Sexarbeiter*innen feindlichen Inhalten bei der Demonstration werten wir als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und damit als Überschreiten der Grenzen unserer Pluralität. Für diese Personengruppen ist das Zeigen solcher Schilder nicht nur eine Provokation, es bedroht auch ihre Sicherheit. Die Demo zum Frauen*kampftag muss auch ein Schutzraum für sie sein.

Unsere Ordner*innen haben alle Personen, die Inhalte vertreten haben, die sich gegen den Demokonsens richten, aufgefordert die entsprechenden Beschilderungen zu entfernen oder die Demonstration zu verlassen, zumindest wenn unsere Ordner*innen von derartigen Inhalten Kenntnis hatten. Leider ist es uns nicht gelungen dies in allen Fällen durchzusetzen.

Wir bitten alle Sexarbeiter*innen und alle Trans*personen um Entschuldigung, falls sie sich durch die Anwesenheit dieser Inhalte verletzt oder angegriffen fühlten.

Wir fordern alle Personen und Organisationen, die in den Sozialen Medien sogar damit prahlen, dass es ihnen gelungen ist unseren Demokonens untergraben zu haben, nachdrücklich auf in Zukunft ihre eigenen Aktionen und Demonstrationen zu organisieren, anstatt unsere Demo zu stören.

Dass es in der Auseinandersetzung zwischen queerfeministischen Gruppen und Provokateur*innen zu physischen Überschreitungen kam, bedauern wir sehr. Wir verurteilen und distanzieren uns von jeglicher Form physischer Gewalt. Wir wünschen uns eine gewaltfreie Demonstration und ein respektvolles Miteinander. Dazu gehört ein respektvoller Umgang unter den Demo-Teilnehmenden, mit unseren Ordner*innen und das Einhalten unseres Demokonsens.

Das Orgateam des Frauen*kampftagbündnisses 2020